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Was studierst du?!

Das Studium der Religionspädagogik und der Beruf der Gemeindereferentin/des Gemeindereferenten – ein Berufsfeld in dem nur wenige Menschen wissen, worum es wirklich geht.

„Was studierst du so?“ – „Religionspädagogik an der KU in Eichstätt“ – ein verdutztes und fragendes Gesicht schaut mich an. „Und was ist das? Was macht man damit?“ – „Ich werde Gemeindereferentin.“ Die Fragezeichen im Gesicht meines Gegenübers werden immer größer.

Solche Unterhaltungen habe ich in den letzten Jahre schon öfter erlebt. Die Leute verstehen mich schon richtig, wenn ich sage, dass ich Religionspädagogik studiere und das inzwischen im 7. Semester. Also kurz vor der Ziellinie. Doch leider muss man sich immer erklären und rechtfertigen, was genau das ist und warum man dies tut. Wieso? Beim BWL-Studium hat auch jeder eine Vorstellung davon, was man damit macht. Man arbeitet mit Zahlen. Viele bekommen  bei Religionspädagogik dann immer noch die Verbindung zum Religionslehrer hin – richtig! Daran kann ich anknüpfen.

Eines der Aufgabenfelder der Gemeindereferentin ist der Bereich des Religionsunterrichtes an Grund- und Hauptschulen. Für diese zwei Schularten werden wir ausgebildet. Doch wie läuft diese Ausbildung überhaupt ab?

Was lernt man im Studium?

Die Grundlage für das spätere Berufsleben ist das Studium der Religionspädagogik/kirchlichen Bildungsarbeit (FH) an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Zumindest nennt sich das in meinem Fall so. Beenden werde ich das Ganze nach 7 Semester (das sind 3,5 Jahre) mit dem Bachelor of Arts. Da Relpäd – die schöne Abkürzung dafür – ein Fachhochschulstudiengang ist, begegnen einem im Laufe der Jahre viele Praktikumsstellen. Von verschiedenen Schularten, in denen man sich im ersten Unterrichten ausprobieren darf, zu Pfarrgemeinden, in denen man einige Stunden mitläuft und unterschiedlichen  Schwerpunktpraktika, im Bereich der Jugend-, Elementar- oder Behindertenpastoral. Um dort auch gut arbeiten zu können, bietet die Fakultät einen umfangreichen Lehrplan. Dieser geht von Dogmatik (Glaubenslehrsätze der Kirche) über Kirchengeschichte und  Kirchenrecht, hin zu Psychologie und Pädagogik, weiter zu Gesprächsführung und Stimmbildung, über Philosophie und Pastoraltheologie zurück zum Kernstück des Christentums: der Bibel und ihre Exegese.

Es bewegt dich – ein Prozess beginnt

Diese Inhalte bleiben nicht nur Theorie, sondern sie fangen an dich zum Nachdenken anzuregen, kritisch zu hinterfragen, in Frage zu stellen: Vor allem dich selbst und deinen Glauben. Das ist eben der Unterschied zum BWL-Studium. Das, was du in Relpäd studierst, hat immer mit dir und deiner Beziehung zu Gott zu tun – es lässt dich nicht kalt. Es rüttelt dich auf, berührt dich und lässt dich neue Dimensionen erfahren. Vor allem lässt es dich wachsen und weiterentwickeln. Doch damit wirst du nicht allein gelassen – zum Glück, denn manchmal ist es ganz schön überfordernd, wenn man versucht all das Gelernte zu begreifen. In Eichstätt gibt es das Geistliche Mentorat. Ein Ort, den ich in den letzten drei Jahren schätzen und vor allem lieben gelernt habe. Ein- bis zweimal in der Woche treffen sich dort Studierende der Religionspädagogik und Theologie um gemeinsam Gottesdienst und Agape zu feiern. Die Gottesdienste werden von den Studierenden vorbereitet und das „Gemeindeleben“  selbst gestaltet. Das Mentorat ist Übungsplatz für neue Gottesdienstformen, für Musik, Predigt, Anspiel und unterschiedliche Formen von Spiritualität. Vor allem aber ein Ort der Gemeinschaft und der Begegnung mit Gott. Hier ist Raum für alle Fragen nach Gott und dem Menschen, die in der Vorlesung nicht geklärt werden können. Für mich persönlich war es elementar wichtig für die Weiterentwicklung meines Glaubens.

Klein, aber fein – so muss es sein!

Die KU ist generell eine kleine Uni, die Fakultät für Religionspädagogik nicht unbedingt groß. Aber dafür ist der Kontakt zwischen Dozierenden und Studierenden eng, sodass dich jeder Dozierende beim Namen kennt und du nicht nur eine Matrikelnummer bist. Innerhalb des Jahrgangskurses bzw. auch jahrgangsübergreifend entstehen prägende Freundschaften, tiefe Gespräche und die lustigsten Feiern!

Nach dem Studium folgen zwei Jahre Assistenzzeit in der Heimatdiözese. Der Start in das Berufsleben beginnt, neben zusätzlichen Ausbildungstagen. Was da genau passiert, weiß ich auch noch nicht – denn das erwartet mich erst nächstes Jahr ;) Aber ich freue mich schon darauf!

Ein Herz für Eichstätt

Gerade bin ich noch im Praxissemester, um eine Ahnung davon zu bekommen, was mich in den nächsten Jahren erwartet. Hierzu profitiere ich gerade sehr von meinen Erfahrung in der Jugendarbeit und meiner langen Zeit als Ehrenamtlichen in meiner Heimatpfarrei. Ich bereue es auf keinen Fall, dass ich Religionspädagogik studiert habe, auch wenn man sich immer mal wieder dafür rechtfertigen muss. Und warum? Eichstätt ist eine wundervolle kleine Stadt. Die erste eigene Wohnung, ausziehen, unabhängig sein und die ersten Studentenpartys sind einfach aufregend. Außerdem ist es wundervoll, Menschen im gleichen Alter zu treffen, denen der Glaube ebenfalls wichtig ist. Aber vor allem habe ich das Gefühl, dass es meine Berufung ist.

Auf und ab – mit Überzeugung

Während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der Pfarrei habe ich gemerkt, dass es mir total Spaß macht Gottesdienste vorzubereiten, Gruppen zu leiten und zu begleiten, mit ihnen den Glauben zu teilen und zu entdecken. Dass mir der Kontakt mit den unterschiedlichen Menschen total viel zurückgibt und ich ein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen habe. Und dass ich mehr von Gott erfahren möchte. Mit diesen Gedanken bin ich nach Eichstätt und jetzt hier. Es waren drei Jahre, in denen ich unheimlich viel gelernt habe: über mich selbst, meine Grenzen, meine Stärken, über den Glauben, die katholische Kirche und natürlich Gott. Es war eine intensive Zeit, die von großartigen Momenten, aber auch Momenten des Zweifelns geprägt war. Aber ich möchte keine davon missen. Denn sie haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich kann mit Stolz sagen: Ja, ich studiere Religionspädagogik und ich möchte Menschen auf ihrem Lebens- und Glaubensweg begleiten.

Es braucht etwas Mut, Ausdauer und Kraft den Weg mit sich selbst zu Gott zu gehen. Wahrscheinlich ist er auch nie zu Ende. Doch es lohnt sich, immer wieder.

Wenn du Interesse bekommen hast:

www.ku.de/rpf
mentorat.bistum-eichstaett.de
www.berufe-der-kirche-bamberg.de
www.mentorat.de

Katja Oetter, 21 Jahre
Studentin der Religionspädagogik an der Universität Eichstätt,  7. Semester
Derzeit im Praxissemester in der Pfarrei St. Johannes d.T. Kronach
Beheimatet in der Pfarrei St. Michael in Mainroth