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17.05.2020

Verschwörungstheoretiker aufgepasst!

„Glaub nicht alles, was du hörst!“ Eine Einladung zur Online-Veranstaltung „Aktionstag gegen Verschwörungsmythen und Antisemitismus“ hat mich vergangene Woche erreicht. Nachrichten thematisieren Verschwörungstheorien, die sich im Netz verbreiten und in Demos öffentlich gemacht werden. Verschwörungstheoretiker finden sich bis in höchsten Kirchenkreisen – oder doch nicht?

Was ist Wahrheit? Foto: Nikolai Nikolajewitsch Ge / cc0 – gemeinfrei

Was ist Wahrheit? Christus vor Pilatus Nikolai Nikolajewitsch Ge / cc0 – gemeinfrei / Quelle: Wikimedia Commons

Richard von Weizäcker soll 1984 gesagt haben: „Keiner darf für sich den Besitz der Wahrheit beanspruchen, sonst wäre er unfähig zum Kompromiss oder überhaupt zum Zusammenleben; er würde kein Mitbürger, sondern ein Tyrann.“ Wer also andere Menschen als Verschwörungstheoretiker bezeichnet, nimmt womöglich für sich in Anspruch, im Besitz der Wahrheit zu sein. Aber ist Kirche nicht im Besitz der Wahrheit? Wie sind Kirchenvertreter einzuordnen, die Verschwörungstheorien verbreiten?

Einem steht es zu, sich ganz öffentlich und dezidiert als „die Wahrheit“ zu bezeichnen: Jesus sagt, ich bin die Wahrheit (Joh 14,6). Deshalb kann er den „Geist der Wahrheit“ denen versprechen, die ihn lieben und seine Gebote halten. (Joh 14,15f.). Dieser Geist steht uns bei in der Suche nach dem Wahren, in der „Unterscheidung der Geister“. Es gibt auch die, die verwirren und Unwahres verbreiten. Es gibt die Verdreher und Verschwörer, sie sind und bleiben Realität.

Doch es gibt das Geschenk des Geistes, der uns die Wahrheit erkennen lässt. Wir können nicht sagen, dass dieser Geist noch auf keinen von uns herabgekommen wäre (vgl. Apg 8,16). Als Getaufte sind wir Geistträger und damit Unterscheidungsexperten. Wir kennen diesen Geist, sagt Jesus, weil er bei uns bleibt und in uns ist (Joh 14,17).
Erkennen und nutzen wir diese Gabe? Hilft er uns in unseren Entscheidungen? Es liegt in unserer Verantwortung, Informationen und Nachrichten zu hören, zu bewerten, einzuordnen. Es liegt an uns, Gehörtes zu überprüfen und zu bewerten, uns eine eigene Meinung zu bilden – ein „Profil“, einen Standpunkt zu entwickeln – der sich immer wieder überprüfen und weiterentwickeln und sogar verändern lässt. Das ist notwendig, um jedem Reden und Antwort zu stehen, der von uns Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die uns erfüllt (1 Petr 3,15f.).

Die Zeit vor Pfingsten gilt der „Profilierung im Heiligen Geist“. Er soll uns immer neu ergreifen, formen, verändern und umgestalten. Er soll uns zur Wahrheit führen, die Jesus Christus ist. Eine große Gabe, und doch oft verborgen. Ein Geschenk, das uns schon gegeben ist. Ein Mittel gegen Verschwörungstheorien. Sie werden uns weiterhin erreichen. Die Frage ist, wie wir mit ihnen umgehen, ob wir sie uns zu Eigen machen und zu deren Verbreitung beitragen. Oder ob wir auf der Suche nach „der Wahrheit“ bleiben – aus dem Geist der Wahrheit heraus, ob wir also auf der Suche nach Gott bleiben mit seiner Hilfe und seinem Beistand.

Nimm Dir ein paar Minuten Zeit zum Nachdenken:

  • Woher ziehst Du Informationen, um Dir Meinungen zu bilden – über Personen, Ereignisse, Glaubenssätze?
  • Wie reagierst Du auf angebliche „Verschwörungstheorien“, die Dich erreichen?
  • Was würdest Du antworten, wenn Dich jemand nach Deinem Glauben und deiner Hoffnung fragt, die aus dem Glauben kommt?

Nimm Dir in den kommenden Tagen die Zeit,

  • Nachrichten, Ereignisse und Erlebnisse zu überprüfen, zu bewerten und einzuordnen. Schaue am Abend mit Gott zurück auf Deinen Tag und nimm das Erlebte „ins Gebet“;
  • Deinen Standpunkt im Glauben zu entdecken und zu erkennen, welche Rolle für Dich die Beziehung zu Jesus Christus spielt, das Wort der Heiligen Schrift, der Geist der Wahrheit, der in Dir lebt und wirkt;
  • um das Kommen des Heiligen Geistes zu beten – für Dich und die Welt, dessen Angesicht er stetig erneuert.

Autor: Christoph Wittmann